Vientiane (Laos):
Hammer,
Sichel und
die Taschen voller Geld
Der opulenteste Boulevard, das monströseste Gebäude
Südostasiens in der verschlafensten Hauptstadt Südostasiens.
Offenbar mussten die Laotischen Herrscher die alte Kolonialmacht
Frankreich düpieren.
Leider misslungen: Diszipliniert rollt verblüffend wenig Verkehr
über die Lane Xang Avenue, Vientianes Antwort auf die Champs Elysee. Der geklonte "Arc de Triomphe" heißt hier "Monument des Morts".
Etwas frei übersetze ich das mit "mordsmäßig hässliches Monument".
Was immer sich der Architekt rein gezogen hat, es war eine ganz ganz
üble Droge. Unstimmige Proportionen, grob-grauer Beton; stilistisch
und materiell ist der Bau aus den Fugen. Als "Monster aus Beton"
bezeichnet sich das 1962 gebaute Wahrzeichen selbst auf einer
Infotafel im Inneren. Immerhin, sie reden es nicht noch schön. Das
Ding bietet auf der oberen Plattform einen soliden Blick über die
Stadt. Geländer und Fallschutz fehlen, vielleicht heißt es auch
deshalb "Monument des Morts". Allenthalben bröselt der
Beton. Angegammeltes Baumaterial liegt planlos herum.
Über Bürgersteige schreiten wir nur im engeren Zentrum der Stadt,
dort, wo die Touristen sind. Sonst säumen Schotter und Sand die
Straßen. Die Häuser sind schäbiger und es liegt noch mehr Müll herum
als in Thailand. Seitenstraßen sind meist nicht geteert.
Besucher bemerken die Armut eher am Rande und tummeln sich meist im Touristenviertel
zwischen Stadtzentrum und
Mekongufer. Dies ist und war schon immer das Vorzugsviertel der Stadt,
zahlreiche prächtige Villen im Kolonialstil beweisen das. Patisserien
und Brasserien bieten hier Cafe au lait und Croissantes an. Einige
Restaurants an der Uferstraße bedienen Farang-Geschmack. Den Nachtmarkt
direkt am Mekong schätzen Farangs und Laoten gleichermaßen.
Ruhig, kleinstädtisch und entspannt ist die Atmosphäre der
Laotischen Hauptstadt. - Trotz der fragwürdigen Versuche in
Weltstadt-Architektur.
Vientiane kurz & knapp
- Hauptstadt von Laos mit ca. 580.000 Einwohnern
- Am Mekong, etwa 30 Km vom Thailändischen Grenzort
Nong Khai entfernt
- Hinkommen ab Thailand: Ab Nong Khai mit dem Tuk Tuk zur "Brücke
der Freundschaft" (ca. 60 Baht) - über die Brücke mit den Shuttle Bus
(10 Baht) - mit Tuk Tuk von der Brücke nach Vientiane (220 Baht)
- Vorsicht beim Einkauf in Touristenläden: Die Preise sind
hoffnungslos überteuert. Die gleichen Sachen bekommst du in Thailand
deutlich billiger.
- Auch sehenswert: der Morning Market in scheußlichen Hallen am
Boulevard (Lane Xang Avenue)
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Betteln basic
Ich hatte nicht genügend Geld getauscht und mit nur 50.000
Laotischen Kip nicht mehr die uneingeschränkte Lufthoheit über die
Speisekarte der Garküchen am Mekong. Also tausche ich noch ein
Bündel Kipse, das mich ermächtigt, gegrillten Fisch, Sweet & Sour
mit Seafood und Pepsi zu bestellen.
Der Nachtmarkt von Vientiane liegt auf einem Platz direkt am Mekong
und bietet nicht nur gutes Essen, sondern auch noch den vermutlich
besten Ausblick der Laotischen Hauptstadt.
Unerhört rot versinkt die Sonne im Mekong, während ich den Fisch
tranchiere.
Betteln basic: Nicht, dass die Bettlerin nicht auch Geld nehmen
würde, aber Geld ist abstrakt. Ökonomen entwickeln dazu Theorien.
Etwa, warum es Laotische Kipse immer gleich in Bündeln gibt.
Aber Hunger ist unmittelbar und elementar. Die Zeichen versteht hier
auf dem Nachtmarkt jeder: Bettler fragen mit den Fingern, ob sie die
Überreste des Menüs haben dürfen.
Kopf, Haut und Gräten des Grillfisches, der Rest Reis und eine
halbe Flasche Trinkwasser stecke ich in die Plastiktüte einer
verhutzelten alten Frau.
Ich sehe die Bettlerin später abseits sitzen und sich aus der Tüte
bedienen.
"Did you enjoy your food?" fragt mich der Junge von der
Garküche,
als er den Tisch abräumt.

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