Er ist nicht wirklich spektakulär anzusehen. Steht da wie ein etwas
größeres Geisterhäuschen, an einer belebten Kreuzung, geduckt zwischen den Trassen des Skytrain.
Atemberaubend ist nicht der Anblick des Schreins, sondern allenfalls der
Rauch unzähliger Opferkerzen davor.
Doch der Schrein hat es in sich, ist eine interaktive Sehenswürdigkeit, -
ein spiritueller ein Marktplatz. Wenn du schon immer ein Geschäft mit den
Göttern schließen wolltest, dann ist hier der richtige Ort dafür.
Jedenfalls glauben zahlreiche Thais das und erheben den Schrein an einer
belanglosen Straßenecke durch zielgerichtetes Beten zu einem heiligen Ort.
Der Legende nach wurde der Schrein Mitte der 50er Jahre des letzten
Jahrhunderts eingeweiht, um die Götter und Geister zu besänftigen und so
eine mysteriöse Unfallserie beim Bau des benachbarten Erawan Hotels zu
stoppen ... was übrigens gelang. Das alte Erawan Hotel existiert heute
nicht mehr, nun erfreut dort das Grand Hyatt
Erawan Hotel seine Gäste.
Der Gott Brahma, dessen Staute im Zentrum des Schreins dank vier
Gesichtern in alle vier Himmelsrichtungen blickt, entstammt dem
Hinduistischen Pantheon. Das hält aber weder Buddhisten, noch Christen und
Moslems und noch nicht einmal Atheisten davon ab, ihm einen Handel
anzubieten.
60 Sekunden Erawan Schrein, Bangkok
Das Geschäft deines Lebens
Du hast einen Wunsch? Dann bitte den Hinduistischen Gott Brahma am Erawan
Schrein, dass er ihn erfüllt. Wie mir eine Thai erklärte,
funktioniert das absolut zuverlässig. Allerdings musst du dazu dem Gott
eine Gegenleistung anbieten. Und zwar eine gleichwertige.
Geizhälsen ist der Gott angeblich nicht gewogen. So wird behauptet, Brahma
sei nicht entzückt, wenn für die ganz große Liebe, ein langes Leben,
unverwüstliche Gesundheit oder unermesslichen Reichtum mal gerade ein oder
zwei lumpige Gebete geboten werden.
Bittsteller müssen ein echtes Opfer bringen, damit Brahma die Bitte
erhört. Was also ist der angemessene Gegenwert eines Lebenstraums? Die
Frage sollte für sich beantwortet haben, wer den Göttern ein Geschäft
vorschlägt. Um sich spirituelles Gehör zu verschaffen, sind als Dreingabe
ein paar Opferkerzen ebenso nützlich wie das Engagement einer
traditionellen Thailändischen Tanzgruppe. Beides ist natürlich rein
zufällig am Schrein erhältlich.
Thaiminator übernimmt keine Garantie für das Gelingen des Handels. Sollte
er schief gehen, dann liegt es am zu bescheidenen Gegenangebot.
Oder am mangelnden Glauben...
Lage
An der Ecke von Rama 1 Road (eine Verlängerung der bei vielen Touristen
beliebten Sukhumvit Road) und Ratcha-Dampi Road steht der Schrein vor dem
Grand Hyatt
Erawan Hotel. Gegenüber ist das World Trade Center. Das bekannte
Siam Center befindet sich eine Straßenecke weiter.
1. Ist-auch-nicht-mehr-das-was-mal-war-Faktor
Doch, ist immer noch so wie bei der Einweihung 1956. Was wiederum
keineswegs selbstverständlich ist. Das alte Erwan Hotel nebenan ist längst
Geschichte. Zudem zerstörte ein offenbar gestörter Attentäter im Jahr 2006
den Schrein mit einem Hammer. Inzwischen ist der Schrein wieder
rekonstruiert.
Ein Sicherheitsdienst patrouliert, damit der Schrein bleibt, wie er ist.
Weil überdies Kerzen und Räucherstäbchen den Schrein und die Statue
verrußen und verrölen, wird alle zwei Jahre renoviert. Thaiminator gibt 5 von 5 Punkten
2. Muss-man-gesehen-haben-Koeffizient
Sehen nicht wirklich. Sieht für kultur- und kunsthistorische Banausen aus
wie ein etwas übergroßes Geisterhäuschen. So was steht in Thailand an
jeder Ecke.
Weil die inneren Werte hier bewertet werden, gibt es nur ganz mager
Punkte! Thaiminator gibt 1 von 5 Punkten
3. Einzigartigkeits-Beiwert
Das ist wirklich makaber, genau genommen geschmacklos, aber ich kann
einfach nicht widerstehen, das zu schreiben:
Der Erawan Schrein steht gegenüber dem World Trade Center. Ein Schicksal,
das der Schrein jahrelang mit New Jersey teilte. Inzwischen bekanntlich
nicht mehr. Daher ist die Lage vis-a-vis des World Trade Centers nun
einzigartig! Thaiminator gibt 5 von 5 Punkten